Osteophathie = eine ganzheitliche Heilmethode

"Osteopathie? Ist das so etwas ähnliches wie Osteoporose?", werden Osteopathen und ihre Patienten bei Erwähnung dieses Wortes manchmal gefragt. Der Altphilologe würde nun seine Griechischkenntnisse hervorkramen und so der Angelegenheit ein wenig näher kommen. Also: "osteon" heißt Knochen, und "pathos" bedeutet Leiden. "Aha, also Knochenleiden, und wenn ich den Fuß verstaucht habe, das ist dann also Osteopathie." Wieder falsch!

Die Osteopathie ist ein medizinisches System, das den Menschen als Ganzes betrachtet und behandelt. Der Körper - vergleicht man ihn mit einem Uhrwerk - besteht aus einzelnen Elementen und Rädchen", die ineinander greifen und sich gegenseitig beeinflussen. Funktioniert auch nur ein Teil nicht korrekt, arbeitet das gesamte Uhrwerk nicht mehr vorschriftsmäßig. Genauso verhält es sich auch mit dem menschlichen Körper: Erkrankt ein Organ, wird auch der Rest des Körpers physisch und/oder psychisch in Mitleidenschaft gezogen. Will man die Beschwerden nun ganzheitlich diagnostizieren und therapeutisch behandeln, müssen drei sich wechselseitig beeinflussende Systeme berücksichtigt werden:

                                     der Bewegungsapparat,
                                     die inneren Organe und
                                     das cranio-sakrale System,

                                     das aus dem Schädel (lat.:cranium),                  

                                     dem Kreuzbein (lat.:sakrum) und
                                     der Wirbelsäule als Verbindungsstück besteht.

Wird nun das harmonische Zusammenspiel aller Teile im Körper gestört, zum Beispiel durch Sportverletzungen, Abnutzungserscheinungen der Gelenke, eine falsche Körperhaltung oder auch Entzündungen an inneren Organen, versucht der Körper derartige Fehlfunktionen auszugleichen. Das funktioniert meist nicht lange, und dann treten die Schmerzen auf.

Aber was haben nun genau die Knochen mit diesem System zu tun? Die Knochen bedingen und stören gegebenenfalls die Position und den Verlauf der Körperflüssigkeiten, ähnlich einem Felsen, der den Verlauf des Wassers in einem Flussbett beeinflußt. Die Knochen stehen deshalb im Mittelpunkt des Interesses, da alle Strukturen im Körper letztlich an ihnen haften. Osteopathie heißt also nicht "Krankheit der Knochen", sondern vielmehr "Krankheit durch Knochen".

Statt mit aufwendigen Gerätschaften arbeitet der Osteopath vor allem mit seinen Händen, sehr ähnlich wie Chirotherapeuten (s.a.Chirotherapie). Mit seinen Händen versucht der Therapeut, Bewegungs- und Beweg-lichkeitsanomalien im Körper oder in den Gelenken festzustellen. Diese Fähigkeit zu erlernen braucht viele Jahre und benötigt genaue Kenntnisse in Anatomie, Neurologie und Physiologie.

Wer nun meint, er hätte es hier mit neumodischen Kram zu tun, der irrt. Schon bei den alten Kulturvölkern in Ägypten, Babylon und China wurden manuelle Behandlungen durchgeführt. Und auch Hippokrates (460-375 v.Chr.), der Begründer der wissen-schaftlichen Heilkunde, beschrieb verschiedene Methoden der Manipulation und sah eine Wirbelsäulenläsion als Ursache vielfältiger Symptome. Unter Läsion wird heute eine Bewegungseinschränkung oder ein Bewegungsverlust in einem oder mehreren Gelenken verstanden. Mehr als 2 Jahrtausende später wurde diese Idee des griechischen Arztes der Antike in der neuen Welt von Andrew Taylor Still (1828-1917) wieder aufgegriffen, und so wurde der Grundstein für die heutige Osteopathie gelegt. Im Jahre 1892 gründete Still in den USA die American School of Osteopathy in Missouri. Dort wurde unter anderem auch die fünf osteopathischen Prinzipien gelehrt:


1. Leben ist Bewegung. Oberstes Kriterium in der Osteopathie ist die Beurteilung der Motilität und die Mobilitätsprüfung der Gelenke. Dies stellt die Grunduntersuchung des Osteopathen dar.

2. Die Struktur regiert die Funktion. 1874 fiel Still bei der Betrachtung eines Skelettes auf, dass die Funktion eines Organes abhängig sein muss von allen umgebenden Strukturen und deren harmonischem Zusammenspiel.

3. Der Körper funktioniert als Einheit. Ein funktionierendes Ganzes ist nicht die Summe, sondern das Zusammenspiel aller Einzelteile.

4. Der Körper besitzt seine eigenen behandelnden Substanzen um Fehlfunktionen zu korrigieren, d.h. sich selbst zu regulieren.

5. Das Gesetz der Arterien: Um das Leben zu ernähren, ist eine gute Zirkulation unbedingte Voraussetzung. Die Osteopathie beschränkt sich hier jedoch nicht nur auf das arterielle und venöse Gefäßsystem, sondern schließt auch andere Körperflüssigkeiten wie Liqour, Lymphe und Synovialflüssigkeiten in die Untersuchung mit ein. Auch das einwandfreie Weiterleiten von Nervenimpulsen sowie das Zirkulieren von körperlicher und geistiger Energie findet hier Beachtung.



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